![]() |
|
Nach Zürich hat Thomas Mann schon die Hochzeitsreise 1905 geführt; hier ist er, ein halbes Jahrhundert später, gestorben. Dies sind die Eckpunkte einer langen Beziehung, die vor allem ab 1933 eng und herzlich wurde, als der aus München vertriebene Lübecker Zürich zu seiner Exilheimat wählte. Bis 1938 wohnte er mit seiner Familie in Küsnacht. 1952 liess er sich in Erlenbach, 1954 in Kilchberg nieder.
"Thomas Mann arbeitete den ganzen Januar 1933 an der Rede 'Leiden und Grösse Richard Wagners'. Er tat es unter Zeitdruck, erschöpft 'durch Grippe und Überarbeitung', wie er an Grimme schrieb. Der Essay schwoll auf siebzig Seiten an, am 30. Januar 1933, dem Tag der Machtübernahme durch Hitler, war der Vortrag fertig. Thomas Mann hielt ihn in München, Amsterdam, Brüssel und Paris. Bereits der Brüsseler Vortrag wurde am 17. Februar vom 'Völkischen Beobachter' bissig kommentiert: 'Herr Thomas Mann, seines Zeichens Schriftsteller und Sozialdemokrat, wird in Brüssel von der belgischen Presse begeistert als 'grosser Europäer' begrüsst.' In Paris traf überraschend Heinrich ein. Er war nach turbulenter Sitzung aus der Preussischen Akademie der Künste ausgestossen worden und unverzüglich über Strassburg nach Paris geflohen. Thomas Mann begab sich mit Katja, wie es vorgesehen war, nach Arosa zur Erholung. Er sollte nicht mehr nach München zurückkehren. Die Emigration hatte für ihn begonnen, ohne dass er ausgewandert war."
Aus: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern, hrsg. von Hans Wysling und Yvonne Schmidlin, 2. Aufl., München etc.: Artemis und Winkler 1994, S. 310.

Schiedhaldenstrasse 33, Küsnacht
"Am 27. September 1933 konnte sich Thomas Mann mit seiner Familie in Küsnacht am Zürichsee niederlassen. Seine Bücher erschienen, solange der S. Fischer Verlag nicht ausgewiesen wurde, noch in Deutschland - im Oktober 1933 'Die Geschichten Jaakobs', im April 1934 'Der junge Joseph', im Oktober 1936 'Joseph in Ägypten'. Auch reisen konnte er noch. 1936 zum Beispiel hielt er in Wien den Vortrag 'Freud und die Zukunft'. Aber am Ende dieses Jahres wurde er der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt. Über den Zustand der Staatenlosigkeit half ein tschechischer Pass hinweg."
Aus: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern, hrsg. von Hans Wysling und Yvonne Schmidlin, 2. Aufl., München etc.: Artemis und Winkler 1994, S. 324.
Glärnischstrasse 12, Erlenbach
"Im Dezember 1952 liess sich Thomas Mann vorläufig in Erlenbach nieder. Er mietete ein Haus an der Glärnischstrasse 12. Hier schrieb er <Die Betrogene> und die letzten Kapitel des <Felix Krull>.
Aus: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern, hrsg. von Hans Wysling und Yvonne Schmidlin, 2. Aufl., München etc.: Artemis und Winkler 1994, S. 448.
Alte Landstrasse 39, Kilchberg
"Anfang 1954 kaufte sich Thomas Mann in Kilchberg ein Haus. Es war etwas kleiner als die Domizile in München, Princeton und Pacific Palisades. Für alle Kinder Platz zu haben, war nicht mehr nötig: Klaus hatte sich am 21. Mai 1949 in Cannes das Leben genommen, Golo kam gelegentlich aus Deutschland herüber, Elisabeth wohnte in Chicago, Monika auf Capri, Michael in Berkeley. Einzig Erika hatte ihren Standort noch bei den Eltern, aber sie war häufig unterwegs. Der Familien- und Freundeskreis war enger geworden. Alle paar Monate waren Nachrufe zu schreiben, Gedenkreden zu halten, auf Alfred Neumann und Emil Oprecht, auf Gerhart Hauptmann und Max Reinhardt, auf Albert Einstein. Die hohen Geburtstage mehrten sich: Hesse, Feuchtwanger, Katja, Reisiger, Trebitsch, Lukács. Ursachen zur Zersplitterung gab es viele. Aber hatte die Arbeitskraft nicht überhaupt nachgelassen? Thomas Mann kränkelte oft, fühlte sich müde, merkte, dass er langsamer vorankam als früher. Aber er arbeitete unentwegt - wenigstens versuchte er es. Er wusste: Er lebte, solange er schrieb."
Aus: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern, hrsg. von Hans Wysling und Yvonne Schmidlin, 2. Aufl., München etc.: Artemis und Winkler 1994, S. 468
weiter auf dem virtuellen Rundgang
Zur Thomas-Mann-Archiv Homepage
orte.html / Oktober 1998 / TMA Webmaster