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Bis 1933: Besuche in der Schweiz

Wann Thomas Mann zum ersten Mal die Schweiz besucht hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Belegt ist die Hochzeitsreise 1905 nach Zürich, wo Katia und Thomas Mann im Luxushotel Baur au Lac Station machten.

Baur au Lac
 

1909 suchte Thomas Mann die damals schon berühmte Naturheilanstalt Dr. Bircher-Benners auf. Der „radikale Doktor in Zürich” gab dann eine der Vorlagen für Dr. Krokowski im Zauberberg ab. Ebendort wurde auch eine spätere Schweizerreise literarisch umgesetzt. Die Fahrt Hans Castorps über das „Schwäbische Meer” und ins Hochgebirge hat Thomas Mann selbst unternommen, als er seine Frau im Mai/Juni 1912 im Waldsanatorium Davos besuchte.

Waldsanatorium Davos
 

Noch vor dem Ersten Weltkrieg fand Thomas Mann auch als Vortragender nach Zürich: Zum Lesezirkel Hottingen, der berühmten Literaturinstitution, in deren Gästebuch sich die grossen Namen der europäischen Literatur- und Geistesgeschichte drängen. Nach dem ersten Weltkrieg kam Thomas Mann zu Erholungs- und zu Vortragszwecken in die Schweiz: Er verliess ein von Krieg und Inflation heimgesuchtes Deutschland, und gerne rechnete er sich vor, wieviel das Honorar in Schweizer Franken „bei dem kronenartigen Stand der Mark” zu Hause wert war. Ganz allgemein hatten sich seine Beziehungen zur Schweiz intensiviert. Die NZZ brachte schon 1920 einen Vorabdruck aus dem Zauberberg. Bekannte Schweizer Kritiker wie Max Rychner befassten sich mit Thomas Mann. Die erste Dissertation über ihn kam vom Zürcher Carl Helbling, der ihn in München auch besuchte. Umgekehrt las Thomas Mann Schweizer Periodika und beschäftigte sich mit helvetischen Dichtern: mit Gotthelf, mit Keller, dessen „deutschen Meisterstil” er „als eine idealische Bestätigung meinerselbst” empfand, und mit C. F. Meyer, dessen Tochter Camilla er im November 1921 persönlich kennenlernte. Im Oktober 1923 hielt er in einem Brief über die Schweiz sein Verhältnis zur Alpenrepublik erstmals ausführlich fest. Eingearbeitet sind Gedanken und Formulierungen, die alle weiteren Aussagen Thomas Manns zum Thema prägen. An Zürich wurde das Kosmopolitische, die „demokratische Internationalität” gerühmt. Das „schweizerische Faktum”, die Koexistenz von Angehörigen germanischer und romanischer Volksstämme unter einem Staatsdach, hielt Thomas Mann für exemplarisch; es stand in Spannung zum Gegensatz deutsch-romantisch versus westlich-aufklärerisch, der noch den ideologischen Hintergrund des Ersten Weltkriegs und der Schattengefechte in Manns Betrachtungen eines Unpolitischen abgegeben hatte.

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