museum

Ausstellungsraum

Das Thomas-Mann-Archiv verfügt über eine Dauerausstellung. An den Wänden und in Steh- und Flachvitrinen wird eine repräsentative Auswahl aus den Beständen des TMA gezeigt: Porträts, Handschriften, Erstausgaben, Bildvorlagen, Quellenwerke, persönliche Dokumente, bibliophile Ausgaben und Sonderausgaben.
Die Ausstellung umfasst sodann einen Computer, der es ermöglicht, die CD-ROM über Thomas Mann, Rollende Sphären, zu betrachten.

Hier eine Auswahl dessen, was in der ständigen Ausstellung zu sehen ist:

Ein Unikum ist das Doppelheft Juni/Juli 1893 der Schülerzeitschrift Der Frühlingssturm. Monatschrift für Kunst und Litteratur. Thomas Mann gab diese Zeitschrift mit 18 Jahren unter einem Pseudonym - seinen beiden Vornamen Paul Thomas - heraus. In dieser Doppelnummer, mit der die Zeitschrift ihr Ende fand, bestritt Thomas Mann 8 der 13 Textseiten. Das Heft enthält Aufsätze, die frühesten gedruckten Gedichte sowie eine Besprechung des Gymnasiasten. Es gehört zu den grössten Seltenheiten unter sämtlichen Ausgaben seiner Werke.

Titelblatt 'Der Frühlingssturm' (1893)
 

Von unschätzbarem Wert ist die erste Seite der Buddenbrooks-Urschrift; sie ist die einzige erhaltene Seite! Mit Bleistift geschrieben stehen darauf die Platen-Verse, die Thomas Mann dem Roman eine Zeitlang als Motto voranzustellen gedachte:
So ward ich ruhiger und kalt zuletzt,
Und gerne möcht' ich jetzt
Die Welt, wie außer ihr, von ferne schaun:
Erlitten hat das bange Herz
Begier und Furcht und Graun,
Erlitten hat es seinen Theil von Schmerz,
Und in das Leben setzt es kein Vertraun;
Ihm werde die gewaltige Natur
Zum Mittel nur,
Aus eigner Kraft sich eine Welt zu baun.

Die erste Seite der ‚Buddenbrooks'-Urhandschrift mit den Platen-Versen links oben.
 
 

Zu Tonio Kröger liegt eine Hotelrechnung von 1899 auf, auf der das Aalsgaarder Badehotel abgebildet ist mit der Glasveranda, auf welcher Tonio steht, während drinnen die Blonden und Blauäugigen vorbeitanzen.

Rechnung des Badehotels zu Aalsgaard (1899)
 

Ein Zeitungsausschnitt von 1911 mit dem Bild Gustav Mahlers zeigt, dass Thomas Mann einige äussere Züge des Musikers auf Gustav von Aschenbach, den Protagonisten des Tod in Venedig, übertragen hat.

Zeitungsausschnitt mit Gustav Mahler
 
 

Lotte in Weimar ist repräsentiert durch den Entwurf der Tischordnung im 8. Kapitel. Um dieser Skizze willen hätte Thomas Mann beinahe nicht nach Amerika auswandern können. Die englischen Zollbeamten hielten die Notizen für ein Geheimdokument.

Tischordnung zu ‚Lotte in Weimar'
 

Auch aus den Notizen zu den Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull sind zwei Blätter ausgestellt. Sie zeigen, wie Thomas Mann eigenhändig Krulls falsche Unterschriften geübt hat.

Seite aus den Notizen zu ‚Felix Krull'
 

Der tschechoslowakische und der amerikanische Pass: Das Landesamt in Prag erteilte Thomas Mann am 9. November 1936 die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Der Reisepass der REPUBLIKA CESKOSLOVENSKA wurde am 4. Dezember 1936 ausgestellt, mit einer Gültigkeitsdauer bis zum 3. Dezember 1941. Der Pass mit der No. 82/36 wurde auf dem Tschechoslowakischen Konsulat in Chicago am 6. Februar 1942 um zwei Jahre verlängert. Am 23. Juni 1944 wurden Thomas und Katia Mann amerikanische Bürger und erhielten ihr Citizen-Certificate ausgehändigt.

Tschechoslowakischer Pass vom 4. Dezember 1936
 

Im Juni 1955 beging man mit aufwendigen Feierlichkeiten in Zürich und einem Besuch des Bundespräsidenten Max Petitpierre in Kilchberg Thomas Manns 80. Geburtstag. Auf Initiative des Familienfreundes Richard Schweizers und mit Unterstützung des ETH-Rektors Prof. Karl Schmid wurde dem Schriftsteller der Ehrendoktortitel der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) verliehen. Dass es sich dabei um eine naturwissenschaftliche Doktorwürde handelte, betrachtete Thomas Mann als besondere Auszeichnung. Tatsächlich war das letzte von insgesamt 15 Ehrendoktoraten nicht nur das einzige schweizerische, sondern auch in seinem Bezug ohne Beispiel. „Es war eine so kühne, freie, originelle Idee, mir diesen Titel eines Doktors der Naturwissenschaften zu verleihen, ich höre nicht auf, mich daran zu ergötzen!”, schrieb Mann in einem Dankesbrief an Karl Schmid. Als Thomas Mann knapp zwei Monate später starb, war nicht zuletzt auch diese spezielle Würdigung Grund zur Nachlassübergabe an die Schweiz und die ETH.

Ehrendoktor-Urkunde der ETH
 

Eine ausführliche Darstellung des Museums findet sich in Band 35 der 'Thomas-Mann-Studien': 'Im Geiste der Genauigkeit. 50 Jahre Thomas-Mann-Archiv' (2006), erschienen bei www.klostermann.de.